DGS, LBG und LUG
Drei Begriffe, die ständig verwechselt werden - und ein Unterschied, der für die Praxis entscheidend ist.
Drei Abkürzungen, die in Beratungsgesprächen ständig durcheinandergehen - und ein Unterschied, der darüber entscheidet, wie viel Aufwand auf Sie zukommt.
DGS - Deutsche Gebärdensprache
Die DGS ist eine eigenständige Sprache. Sie ist keine Übersetzung des Deutschen, sondern hat eigenen Wortschatz, eigenen Satzbau und eigene grammatische Mittel. Zeit wird über Bewegungsrichtung und Positionierung im Gebärdenraum ausgedrückt, Fragen und Verneinung über Mimik, Bezüge über die Verortung von Personen im Raum.
Der Satz „Hast du gestern den Film gesehen?“ wird in DGS nicht Wort für Wort umgesetzt, sondern hat eine völlig andere Struktur. Wer DGS lernt, lernt eine Fremdsprache - mit entsprechendem Zeitaufwand.
DGS ist die Sprache der Gehörlosengemeinschaft in Deutschland und seit 2002 gesetzlich als eigene Sprache anerkannt. Für gehörlose Menschen ist sie die Erstsprache, nicht ein Hilfsmittel.
LBG - lautsprachbegleitende Gebärden
Bei LBG wird jedes gesprochene Wort gebärdet, in deutscher Satzstellung. Die Gebärden stammen aus der DGS, die Grammatik bleibt deutsch. Für Wörter ohne eigenes Zeichen - Artikel, Endungen - gibt es Behelfsformen.
LBG ist keine Sprache, sondern eine Darstellungsform des Deutschen mit den Händen. Eingesetzt wird sie vor allem im bilingualen Unterricht und in Situationen, in denen die deutsche Struktur sichtbar gemacht werden soll.
Für den Alltag ist LBG kaum praktikabel. Wer jedes Wort gebärdet, kommt beim Sprechtempo nicht mit, und die Aufmerksamkeit geht vom Inhalt auf die Ausführung über.
LUG - lautsprachunterstützende Gebärden
Bei LUG wird nur das Schlüsselwort eines Satzes gebärdet, der Rest normal gesprochen. „Willst du noch etwas trinken?“ - eine Gebärde, ein vollständiger deutscher Satz.
Das ist die Form, die in der Unterstützten Kommunikation gemeint ist, wenn von gebärdenunterstützter Kommunikation die Rede ist. Sie ist durchhaltbar, weil sie wenige Zeichen pro Satz braucht, und sie hat den erwünschten Nebeneffekt: Wer nur das Wichtigste gebärdet, muss entscheiden, was das Wichtigste ist - und spricht dadurch klarer.
Der Vergleich
| DGS | LBG | LUG | |
|---|---|---|---|
| Was es ist | eigenständige Sprache | Darstellung des Deutschen mit Gebärden | Hervorhebung der Schlüsselwörter |
| Grammatik | eigene | deutsche | deutsche |
| Wie viel wird gebärdet | alles, in DGS-Struktur | jedes Wort | ein bis zwei Wörter pro Satz |
| Lernaufwand | hoch, wie eine Fremdsprache | mittel bis hoch | gering, wenige Dutzend Zeichen |
| Hauptzielgruppe | gehörlose Menschen | bilingualer Unterricht | Unterstützte Kommunikation |
| Alltagstauglichkeit für Familien | gering ohne Kurs | gering | hoch |
Was das für die Praxis heißt
Wenn Ihnen jemand sagt, Sie müssten für Ihr Kind erst Gebärdensprache lernen, ist das eine Verwechslung. Für die Unterstützte Kommunikation genügen zwanzig bis dreißig Zeichen, die Sie sich Wort für Wort aneignen, und die Bereitschaft, sie täglich zu benutzen. Die Liste steht unter Erste Gebärden für den Alltag.
Anders liegt der Fall bei einer Hörbeeinträchtigung. Dort geht es nicht um Unterstützung der Lautsprache, sondern um Zugang zu einer vollwertigen Sprache - und dann ist DGS die richtige Antwort, mit allem, was dazugehört.
Fragen und Antworten
- Welche Form brauche ich für mein Kind?
- In der Unterstützten Kommunikation fast immer LUG, also Gebärden für die Schlüsselwörter. Diese Form ist durchhaltbar und liefert genau den Effekt, um den es geht - sichtbare, verlangsamte Sprache. LBG ist im Alltag kaum durchzuhalten, DGS ist eine eigene Sprache mit entsprechendem Lernaufwand.
- Ist DGS eine anerkannte Sprache?
- Ja. Die Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 im Behindertengleichstellungsgesetz als eigenständige Sprache anerkannt. Sie ist keine Übersetzung des Deutschen in Handzeichen, sondern hat eigenen Wortschatz und eigene Grammatik.
- Verwirrt es ein Kind, wenn wir nur Schlüsselwörter gebärden?
- Nein. Das Kind hört ja weiterhin den vollständigen deutschen Satz - die Gebärde hebt nur das Wichtigste hervor. Genau diese Hervorhebung ist der Zweck. Problematisch wäre es umgekehrt, ausschließlich zu gebärden und dabei die Lautsprache wegzulassen.
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Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.