Gebärden

Erste Gebärden für den Alltag

Zwanzig Wörter, mit denen der Einstieg fast immer gelingt - und die Begründung, warum gerade diese.

Die häufigste Frage am Anfang lautet: Womit fange ich an? Die häufigste Antwort in Kursen lautet: mit einem thematischen Set - Tiere, Essen, Farben. Das ist gut gemeint und meistens der falsche Einstieg.

Sinnvoller ist eine Auswahl nach zwei Kriterien: Das Wort muss mehrfach am Tag vorkommen, und es muss etwas bewirken. Danach sortiert sieht die Liste anders aus, als man erwartet.

Die zwanzig Wörter

Steuerung und Regulation - die wichtigste Gruppe, weil sie Handlungen auslöst:

mehr · nochmal · fertig · Schluss · nicht · weg · helfen · warten

Zustimmung und Ablehnung - die Grundlage jeder Selbstbestimmung:

ja · nein

Grundbedürfnisse - kommen jeden Tag mehrfach vor:

essen · trinken · schlafen · Toilette · weh

Handlungen im Alltag:

spielen · raus · anziehen

Personen:

Mama · Papa

Auffällig ist, was nicht dabeisteht: kaum Gegenstände, keine Farben, keine Tiere. Das ist Absicht. Mit „Bagger“ kann ein Kind auf einen Bagger hinweisen. Mit „mehr“ kann es das Spiel verlängern, mit „Schluss“ es beenden und mit „nein“ etwas verhindern. Wörter mit Wirkung motivieren zur Benutzung, Wörter ohne Wirkung bleiben Vokabeln.

Fachlich gehört diese Auswahl in den Bereich des Kernvokabulars - jener wenigen hundert Wörter, die den weitaus größten Teil aller Äußerungen ausmachen.

In welchen Situationen sie eingesetzt werden

Nicht über den ganzen Tag verteilt, sondern in wenigen festen Momenten, die verlässlich wiederkehren.

Situation Wörter, die dort natürlich vorkommen
Mahlzeiten essen, trinken, mehr, fertig, nicht, helfen
Anziehen anziehen, helfen, warten, fertig, raus
Spielen nochmal, mehr, Schluss, weg, spielen
Zubettgehen schlafen, fertig, Mama, Papa
Unwohlsein weh, nein, helfen, Toilette

Jedes Wort taucht in mehreren Situationen auf. Genau das ist der Zweck: Wiederholung in unterschiedlichen Kontexten ist der Weg, auf dem Bedeutung entsteht.

Die Regeln beim Zeigen

  1. Immer gleichzeitig sprechen. Die Gebärde ersetzt das Wort nicht, sie begleitet es.
  2. Nur das Schlüsselwort. Ein Zeichen pro Satz reicht, zwei sind das Maximum.
  3. In Sichtweite. Das Kind muss die Hände sehen können - Blickhöhe, nicht über den Kopf.
  4. Nichts verlangen. Über Wochen zeigen die Erwachsenen, ohne eine Reaktion einzufordern. Diese Phase heißt Modelling und ist die entscheidende.
  5. Nicht korrigieren. Eine ungenaue Gebärde ist eine Gebärde. Sie wiederholen sie einfach richtig, ohne darauf hinzuweisen - genau wie beim Sprechen.

Eine gemeinsame Quelle

Bevor Sie anfangen, klären Sie eine Sache: Woher kommen die Zeichen? Wählen Sie eine Sammlung - GuK, Schau doch meine Hände an oder ein DGS-Wörterbuch mit Videos - und halten Sie sich alle daran.

Wenn Kita, Therapie und Zuhause je eine eigene Variante benutzen, lernt das Kind für ein Wort drei Zeichen. Der Aufwand verdreifacht sich, der Nutzen sinkt. Eine laminierte Übersicht der zwanzig Zeichen, die an der Garderobe hängt und in die Kita mitgeht, löst dieses Problem für ein paar Cent.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Warum sind so wenige Gegenstände dabei?
Weil Gegenstände nur benennen lassen. Mit „Ball“ kann ein Kind sagen, dass da ein Ball ist. Mit „mehr“, „nochmal“ und „nicht“ kann es den Ablauf des Spiels steuern. Wörter, die etwas bewirken, motivieren zur Nutzung - Wörter, die nur beschreiben, meist nicht.
Wo finde ich, wie die Gebärden aussehen?
In den Gebärdensammlungen selbst - bei GuK, bei „Schau doch meine Hände an“ oder in DGS-Wörterbüchern mit Videomaterial. Dieses Portal bildet keine Gebärdenzeichnungen ab, weil die Darstellungen der Sammlungen urheberrechtlich geschützt sind. Wichtig ist ohnehin, dass alle Bezugspersonen aus derselben Quelle lernen.
Wie lange dauert es, bis ein Kind selbst gebärdet?
Bei manchen Kindern Wochen, bei anderen viele Monate. Der Vergleich mit dem Sprechen hilft - zwischen dem Verstehen eines Wortes und dem ersten eigenen Gebrauch liegt auch dort ein langer Zeitraum. Bis dahin gilt: weiter modellieren, ohne etwas zu verlangen.

Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.