Leichte Sprache

Die Regeln der Leichten Sprache

Wörter, Sätze, Aufbau und Gestaltung - die Regeln mit Beispielen und den Stellen, an denen es in der Praxis hakt.

Die Regeln der Leichten Sprache sind nicht Geschmackssache, sondern ein Regelwerk. Maßgeblich sind im deutschsprachigen Raum die Regeln des Netzwerks Leichte Sprache; ergänzend gibt es Normen und Empfehlungen für den behördlichen Bereich.

Diese Seite gibt die wesentlichen Regeln mit Beispielen wieder. Sie ersetzt nicht das vollständige Regelwerk, das über das Netzwerk zu beziehen ist.

Regeln für Wörter

  • Bekannte Wörter benutzen. „Bus“ statt „öffentliches Personennahverkehrsmittel“.
  • Fremdwörter erklären. Wenn ein Fachwort nötig ist, kommt die Erklärung sofort danach - nicht in einer Fußnote.
  • Keine Abkürzungen. „zum Beispiel“ statt „z. B.“. Ausnahme sind Abkürzungen, die bekannter sind als die ausgeschriebene Form.
  • Lange Wörter trennen. Mit Bindestrich oder Mediopunkt: Bundes-Gleichstellungs-Gesetz.
  • Gleiche Wörter für gleiche Sachen. Synonyme wirken abwechslungsreich und erzeugen die Frage, ob etwas anderes gemeint ist.
  • Keine Metaphern und Redewendungen. „Auf der Kippe stehen“ wird wörtlich gelesen.
  • Zahlen als Ziffern, große Zahlen umschreiben: „viele Menschen“ statt „1.348.972 Menschen“.
  • Keine Sonderzeichen im Wortinneren. Gendersternchen, Doppelpunkt und Unterstrich stören den Lesefluss - stattdessen beide Formen nennen oder neutral formulieren.

Regeln für Sätze

  • Ein Gedanke pro Satz.
  • Kurze Sätze. Als Anhalt gelten etwa acht bis zwölf Wörter.
  • Aktiv statt passiv. Aus „Der Antrag wird geprüft“ wird „Wir prüfen Ihren Antrag“.
  • Keine Nebensätze. Ein Nebensatz wird zu einem eigenen Satz.
  • Keine doppelte Verneinung. „Das ist nicht unmöglich“ wird zu „Das geht“.
  • Keine Konjunktive. „Sie könnten einen Antrag stellen“ wird zu „Sie können einen Antrag stellen“.
  • Keine Genitive. „Das Auto von meinem Vater“ statt „das Auto meines Vaters“.

Beispiel für den Unterschied:

Standarddeutsch: Sofern die erforderlichen Unterlagen nicht innerhalb der genannten Frist eingereicht werden, kann der Antrag nicht bearbeitet werden.

Leichte Sprache: Bitte schicken Sie uns alle Unterlagen. Die Frist steht oben im Brief. Wenn die Unterlagen zu spät kommen, können wir Ihren Antrag nicht bearbeiten.

Aus einem Satz werden drei. Der Text wird länger - das ist beabsichtigt und kein Mangel.

Regeln für den Text

  • Das Wichtigste zuerst. Nicht chronologisch aufbauen, sondern nach Bedeutung.
  • Zwischenüberschriften für jeden Abschnitt.
  • Aufzählungen statt langer Fließtextlisten.
  • Direkte Ansprache. „Sie können …“ statt „Es besteht die Möglichkeit …“.
  • Konkret statt allgemein. „Rufen Sie an unter …“ statt „Nehmen Sie Kontakt auf“.
  • Am Ende erklären, was zu tun ist. Ein Text ohne Handlungsanweisung lässt Leserinnen und Leser allein.

Regeln für die Gestaltung

  • Große, serifenlose Schrift mit ausreichendem Zeilenabstand.
  • Linksbündig, kein Blocksatz, keine Silbentrennung.
  • Ein Satz pro Zeile, wo es möglich ist.
  • Viel Weißraum, kurze Absätze.
  • Starker Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund, keine Schrift auf Bildern.
  • Erklärende Bilder, üblicherweise links neben dem Absatz, auf den sie sich beziehen.
  • Keine Spalten, keine schrägen oder ungewöhnlichen Layouts.

Wo es in der Praxis hakt

Man kürzt statt zu vereinfachen. Leichte Sprache ist meist länger als das Original, weil ein Satz in drei zerlegt wird. Wer aus Platzgründen kürzt, verliert genau die Erklärungen, auf die es ankommt.

Man vereinfacht die Sprache und nicht die Struktur. Ein Text mit kurzen Sätzen, der weiterhin verschachtelt aufgebaut ist und quer verweist, bleibt schwer.

Man lässt das Wesentliche weg. Vereinfachen heißt nicht, Inhalte zu streichen, die unbequem sind. Wer den Widerspruchsweg weglässt, weil er kompliziert ist, nimmt ein Recht weg.

Man überspringt die Prüfung. Der letzte und wichtigste Schritt - dazu die Seite Texte prüfen lassen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Schriftgröße ist vorgeschrieben?
Ein exakter Wert ist im Regelwerk nicht festgelegt, üblich sind mindestens 14 Punkt, in der Praxis oft mehr. Wichtiger als die Zahl sind die begleitenden Punkte - serifenlose Schrift, ausreichender Zeilenabstand, linksbündiger Satz ohne Silbentrennung und ein deutlicher Kontrast.
Darf man in Leichter Sprache gendern?
Sonderzeichen wie Stern, Doppelpunkt oder Unterstrich stören den Lesefluss und werden von Screenreadern uneinheitlich vorgelesen - das Regelwerk rät davon ab. Empfohlen wird stattdessen die Nennung beider Formen oder eine neutrale Formulierung.
Muss jeder Text Bilder haben?
Vorgeschrieben ist es nicht, empfohlen schon. Bilder sollen dabei erklären und nicht schmücken - ein Bild, das nichts zum Verständnis beiträgt, lenkt ab. Ein Bild pro Absatz an der linken Seite ist die übliche Anordnung.

Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.