Texte prüfen lassen
Warum die Prüfung durch die Zielgruppe zum Regelwerk gehört, wie sie abläuft und was sie kostet.
Die Prüfung ist der Schritt, der Leichte Sprache von „vereinfachtem Text“ unterscheidet - und der am häufigsten weggelassen wird, weil er Zeit und Geld kostet.
Warum sie nötig ist
Wer flüssig liest, kann nicht zuverlässig einschätzen, was für andere schwer ist. Man überliest die eigenen Voraussetzungen: dass man weiß, was ein Widerspruch ist, dass man einen Verweis auf einen früheren Absatz mitverfolgen kann, dass man aus dem Zusammenhang erschließt, worauf sich ein „dies“ bezieht.
Prüfgruppen finden genau diese Stellen. Und sie finden regelmäßig etwas, das den Schreibenden völlig unauffällig erschien - ein Begriff, ein Bezug, eine Reihenfolge, ein Bild, das etwas anderes nahelegt als der Text.
Wie eine Prüfung abläuft
- Der übersetzte Text geht an die Prüfgruppe - Menschen mit Lernschwierigkeiten, die für diese Aufgabe geschult sind.
- Der Text wird gelesen, allein oder in der Gruppe, häufig begleitet von einer Assistenz, die Fragen sammelt statt Antworten zu geben.
- Rückgemeldet wird, was unklar ist: einzelne Wörter, Sätze, Bilder, der Aufbau, fehlende Informationen.
- Der Text wird überarbeitet - und wenn viel geändert wurde, erneut geprüft.
- Das Prüfsiegel dokumentiert, dass dieser Schritt stattgefunden hat.
Wichtig an Schritt zwei: Die Assistenz darf nicht erklären. Sobald jemand die schwierige Stelle mündlich auflöst, ist nicht mehr feststellbar, ob der Text sie auflöst.
Was die Prüfung typischerweise findet
- Wörter, die als bekannt galten und es nicht sind - oft Verwaltungsbegriffe, die ins alltägliche Sprechen eingesickert sind.
- Bezüge über Sätze hinweg. „Das“, „dies“, „dabei“ - jedes davon setzt voraus, dass man den vorigen Satz präsent hält.
- Bilder, die in die Irre führen. Ein Symbol, das für die Schreibenden offensichtlich ist und von der Prüfgruppe anders gedeutet wird.
- Fehlende Handlungsanweisung. Der Text erklärt eine Lage, sagt aber nicht, was man nun tun soll.
- Reihenfolge. Das Wichtigste steht am Ende, weil der Aufbau chronologisch statt nach Bedeutung gewählt wurde.
Wo Prüfgruppen zu finden sind
Prüfgruppen sind meist an Büros für Leichte Sprache angebunden, die wiederum bei Trägern der Behindertenhilfe angesiedelt sind - Lebenshilfe, Diakonie, Caritas und vergleichbare Organisationen. Das Netzwerk Leichte Sprache führt seine Mitglieder auf und ist der zuverlässigste Einstieg in die Suche.
Woran man ein seriöses Angebot erkennt
- Die Prüfung ist Teil des Angebots, nicht ein Zusatz, den man abwählen kann.
- Prüferinnen und Prüfer werden bezahlt. Das lässt sich fragen und sollte beantwortet werden.
- Der Anbieter nennt sein Regelwerk und arbeitet nicht nach eigenen Maßstäben.
- Es gibt eine Überarbeitungsschleife nach der Prüfung, nicht nur ein Protokoll.
- Der Anbieter sagt, was er nicht leisten kann - etwa bei sehr fachlichen Texten, die zuerst fachlich geklärt werden müssen.
Was Software leistet
Prüfwerkzeuge für Verständlichkeit messen Satzlänge, Wortlänge und Worthäufigkeit. Sie sind brauchbar, um offensichtliche Probleme vor der Prüfung auszuräumen, und sie sparen der Prüfgruppe Arbeit an Stellen, die keine Diskussion brauchen.
Was sie nicht leisten: einschätzen, ob ein Zusammenhang verständlich ist. Genau das ist der Punkt, an dem Leichte Sprache scheitert oder gelingt.
Fragen und Antworten
- Kann eine Software die Prüfung ersetzen?
- Nein. Werkzeuge messen Satzlänge, Wortlänge und Worthäufigkeit und geben brauchbare Hinweise auf offensichtliche Probleme. Ob ein Text verstanden wird, hängt aber an Zusammenhang, Vorwissen und Aufbau - das erkennt nur, wer ihn tatsächlich liest.
- Was kostet eine Übersetzung mit Prüfung?
- Die Preise werden meist pro Normseite berechnet und liegen deutlich über einer gewöhnlichen Textübersetzung, weil Übersetzung, Prüfung und Überarbeitung zusammengehören. Fragen Sie immer, ob die Prüfung im Preis enthalten ist - dort liegt der größte Unterschied zwischen den Angeboten.
- Werden die Prüferinnen und Prüfer bezahlt?
- Bei seriösen Anbietern ja. Prüfen ist Arbeit und wird vergütet. Wenn ein Anbieter das nicht offenlegen kann, ist das ein Warnzeichen - sowohl fachlich als auch im Umgang mit den Beteiligten.
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Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.