Gebärden

GuK nach Etta Wilken

Der verbreitetste deutsche Ansatz - Gebärde und Bildkarte konsequent gekoppelt, entwickelt für Kinder mit Trisomie 21.

GuK - ausgeschrieben Gebärden-unterstützte Kommunikation - ist der Ansatz, dem im deutschsprachigen Raum die meisten Familien zuerst begegnen. Entwickelt wurde er von der Sonderpädagogin Etta Wilken, die lange an der Universität Hannover zur Entwicklung von Kindern mit Behinderung geforscht und gearbeitet hat.

Der Ausgangspunkt war eine Beobachtung bei Kindern mit Trisomie 21: Ihr Sprachverständnis entwickelt sich deutlich schneller als ihre Sprachproduktion. Die Kinder verstehen, was um sie herum gesagt wird, können sich aber lange nicht äußern. Diese Lücke erzeugt Frustration - und sie lässt sich mit Gebärden überbrücken, weil die Handmotorik früher verfügbar ist als die Sprechmotorik.

Die Kopplung, die den Ansatz ausmacht

Das methodische Kernstück von GuK ist die konsequente Dreierverbindung:

  • die Gebärde als Handzeichen,
  • die Bildkarte als Bildzeichen für dasselbe Wort,
  • das Schriftwort auf der Karte.

Diese Kopplung ist mehr als eine Fleißarbeit. Sie gibt dem Kind drei Zugänge zum selben Begriff, von denen jeder für sich funktionieren kann. Wer die Gebärde nicht motorisch schafft, kann auf die Karte zeigen. Wer die Karte gerade nicht hat, kann gebärden. Und das Schriftwort läuft von Anfang an mit - Wilken hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Kinder mit Trisomie 21 über das Wortbild Zugang zum Lesen finden können, oft früher als über die Lautanalyse.

Wer den Makaton-Aufbau kennt, erkennt das Prinzip wieder: Wort, Zeichen und Symbol als festes Trio. GuK setzt es auf den deutschen Spracherwerb um.

Der Aufbau in der Praxis

GuK ist als Kartensatz organisiert, thematisch geordnet und in Stufen aufgebaut. Der erste Satz enthält Wörter des unmittelbaren Alltags - Essen und Trinken, Körper, Familie, Tiere, Grundtätigkeiten. Aufbausätze erweitern in Richtung Eigenschaften, Ortsangaben und differenziertere Tätigkeiten.

Die Anwendung folgt denselben Grundregeln wie jede gebärdenunterstützte Kommunikation:

  1. Immer sprechen und gebärden zugleich - nie die Gebärde allein.
  2. Nur das Schlüsselwort gebärden, nicht den ganzen Satz.
  3. Selbst benutzen, bevor man etwas erwartet - siehe Modelling.
  4. Wenige Wörter, viele Wiederholungen statt großer Wortschatz mit seltener Nutzung.

Die Bildkarten werden dabei nicht abgefragt, sondern in Alltagssituationen eingebaut: am Esstisch, beim Anziehen, beim Bilderbuchanschauen. Viele Familien kleben einzelne Karten dort auf, wo die Situation stattfindet.

Wo GuK gut passt und wo nicht

Gut geeignet, wenn ein Kind Sprache versteht, sie aber nicht produzieren kann, die Handmotorik grundsätzlich funktioniert und Bezugspersonen bereit sind, selbst zu gebärden. Das ist die typische Konstellation bei Trisomie 21, gilt aber genauso für viele Kinder mit allgemeiner Sprachentwicklungsstörung.

Weniger geeignet, wenn die Handmotorik stark eingeschränkt ist - dann führt der Weg eher über Symbole, Blickauswahl oder elektronische Hilfen. Auch bei Erwachsenen mit erworbenen Störungsbildern ist GuK nicht die naheliegende Wahl, weil die Kartensätze auf Kinder zugeschnitten sind.

Material und Fortbildung

Die GuK-Kartensätze sind regulär über den Fachbuchhandel erhältlich, ebenso Wilkens Fachbücher zur Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom. Kurse werden von Fortbildungsanbietern, von den Down-Syndrom-Vereinen und von Frühförderstellen angeboten; die Wege dorthin stehen unter Fortbildungen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Für welches Alter ist GuK gedacht?
Der Schwerpunkt liegt im Kleinkind- und Vorschulalter, weil dort der Spracherwerb stattfindet. Eingesetzt wird GuK aber auch später, etwa bei Kindern im Grundschulalter mit sehr geringem aktivem Wortschatz. Für Erwachsene ist Schau doch meine Hände an in der Regel die passendere Sammlung.
Woher stammen die GuK-Gebärden?
Aus der Deutschen Gebärdensprache. Ausgewählt wurden bevorzugt Zeichen, die bildhaft und motorisch einfach sind, damit Kinder sie früh nachahmen können. Die Satzstellung bleibt deutsch, gebärdet wird nur das Schlüsselwort.
Kann man GuK ohne Kurs anwenden?
Grundsätzlich ja, die Kartensätze sind selbsterklärend aufgebaut. Ein Kurs oder eine Anleitung durch eine Fachkraft hilft trotzdem, weil der entscheidende Teil nicht die Gebärde ist, sondern die Art, wie sie im Alltag eingesetzt wird.

Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.