Gebärden

Schau doch meine Hände an

Die breite Gebärdensammlung der Lebenshilfe - für Kinder und Erwachsene, alltagsnah und thematisch geordnet.

„Schau doch meine Hände an“ ist die Gebärdensammlung, die im Bereich der Behindertenhilfe am weitesten verbreitet ist. Herausgegeben wird sie von der Bundesvereinigung Lebenshilfe, und ihr Zuschnitt unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den kindzentrierten Ansätzen: Sie deckt die gesamte Lebensspanne ab.

Warum das einen Unterschied macht

Die meisten Gebärdensammlungen sind für den frühen Spracherwerb gemacht. Ihr Wortschatz besteht aus Essen, Trinken, Spielen, Tieren und Familie. Das passt für ein dreijähriges Kind und wird unbrauchbar, sobald jemand über die Arbeit in der Werkstatt sprechen will, über einen Arzttermin, über eine Beziehung oder über Geld.

Genau diese Lücke füllt „Schau doch meine Hände an“. Die Sammlung enthält Themenbereiche, die ein Kleinkindsystem nicht abbildet:

  • Wohnen und Haushalt
  • Arbeit und Werkstatt
  • Gesundheit, Körper und Krankheit
  • Freizeit, Sport und Urlaub
  • Geld, Einkaufen und Behörden
  • Gefühle und soziale Beziehungen
  • Zeit, Wochentage, Jahreszeiten

Für Wohngruppen, Werkstätten, Förderschulen und die Erwachsenenarbeit ist das der praktisch relevantere Wortschatz.

Aufbau und Darstellung

Die Zeichen stammen aus der Deutschen Gebärdensprache und sind als Strichzeichnungen mit Bewegungspfeilen dargestellt. Geordnet ist die Sammlung thematisch, nicht in Stufen - man arbeitet sich nicht linear durch, sondern holt sich, was gebraucht wird.

Angewendet wird sie wie jede gebärdenunterstützte Kommunikation: begleitend zum gesprochenen Satz, nur für das Schlüsselwort, in deutscher Satzstellung. Wer die Systematik einmal verstanden hat, kann zwischen dieser Sammlung und GuK wechseln, ohne umzulernen - beide greifen auf denselben DGS-Bestand zurück, auch wenn einzelne Varianten abweichen können.

Die Einigungsfrage

Genau an diesem Punkt entsteht in der Praxis das häufigste Problem. Wenn die Schule mit GuK arbeitet, die Wohngruppe mit „Schau doch meine Hände an“ und die Therapeutin eine dritte Variante mitbringt, lernt die Person für dasselbe Wort mehrere Zeichen - und vor allem lernt sie, dass Zeichen unzuverlässig sind.

Die Lösung ist unspektakulär und wirksam: Eine gemeinsame Quelle festlegen und schriftlich festhalten. Wo Varianten unvermeidlich sind, wird die geltende Fassung in der Dokumentation der Person notiert, damit auch Vertretungskräfte sie finden.

Wo die Sammlung an Grenzen stößt

Sie liefert Wortschatz, keine Didaktik. Anders als bei GuK gibt es keine feste Reihenfolge und keine Bildkarten, die den Einstieg strukturieren. Wer ganz von vorne anfängt, ist mit einem gestuften Ansatz oft besser bedient und greift später auf diese Sammlung zurück, wenn der Wortschatz wachsen soll.

Und sie ersetzt keine Gebärdensprache. Wer gehörlos ist und Zugang zur Gebärdensprachgemeinschaft braucht, lernt DGS - die Abgrenzung steht unter DGS, LBG und LUG.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Worin unterscheidet sich das von GuK?
Im Zuschnitt. GuK ist ein gestufter Kartensatz für den frühen Spracherwerb und koppelt jede Gebärde fest mit einer Bildkarte. „Schau doch meine Hände an“ ist eine breitere Sammlung über die ganze Lebensspanne, mit Wortschatz, den ein Kleinkindsystem nicht enthält. Viele Einrichtungen nutzen beides nebeneinander.
Ist das eine Gebärdensprache?
Nein. Die Zeichen stammen aus der Deutschen Gebärdensprache, werden aber in deutscher Satzstellung und nur für die Schlüsselwörter verwendet. Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik.
Wo bekommt man die Sammlung?
Über die Bundesvereinigung Lebenshilfe und den Fachbuchhandel. Kurse dazu laufen häufig über die Orts- und Kreisvereinigungen der Lebenshilfe sowie über die Bildungswerke der Träger.

Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.