Fortbildungen zur Unterstützten Kommunikation
Welche Kurse es gibt, was Angehörige wirklich brauchen und woran seriöse Angebote zu erkennen sind.
Es gibt zwei sehr verschiedene Gründe, sich zur Unterstützten Kommunikation fortzubilden. Angehörige wollen ein Kind oder einen erwachsenen Menschen im Alltag begleiten. Fachkräfte wollen ihre Arbeit auf eine breitere Grundlage stellen und mehrere Personen versorgen. Die passenden Formate sind entsprechend unterschiedlich - und Angehörige buchen häufig zu viel Kurs für zu wenig Alltagsnutzen.
Was Angehörige tatsächlich brauchen
Erfahrungsgemäß drei Dinge, keins davon ist eine Qualifikation:
- Einen Grundwortschatz. Zwanzig bis dreißig Gebärden oder ein Symbolset, das den Alltag abdeckt. Dafür genügt ein Wochenendkurs oder ein Gebärdenbuch mit Videomaterial.
- Anleitung im echten Alltag. Jemand, der zusieht, wie Sie mit Ihrem Kind kommunizieren, und sagt, wo es hakt. Das leistet eine Beratungsstelle oder eine UK-erfahrene Therapiepraxis - kein Kurs.
- Anschluss. Andere Familien, die dasselbe machen. Elterngruppen der Selbsthilfeverbände sind dafür oft wertvoller als Fachvorträge.
Der häufigste Fehler in dieser Gruppe ist, sehr viel Theorie zu sammeln und wenig davon einzusetzen. Wer zwanzig Gebärden täglich benutzt, kommt weiter als jemand, der zweihundert kennt und keine anwendet.
Formate für Fachkräfte
| Format | Umfang | Typische Teilnehmende | Wofür |
|---|---|---|---|
| Einführungskurs | halber bis ganzer Tag | alle | Überblick, erste Handlungsfähigkeit |
| Gebärden-Grundkurs | ein bis zwei Tage | Angehörige, Kita, Schule | Grundwortschatz, Anwendung im Alltag |
| Symbol- und Tafelkurs | ein bis zwei Tage | Kita, Schule, Therapie | Tafeln aufbauen, Kernvokabular einsetzen |
| Talker-Schulung | anbieterabhängig | Therapie, Schule, Angehörige | Bedienung und Wortschatzpflege eines Geräts |
| Zusatzqualifikation UK | mehrere Module über ein bis zwei Jahre | Therapie, Heilpädagogik, Sonderpädagogik | fundierte Fallverantwortung |
Träger solcher Angebote sind vor allem die Fachverbände - im deutschsprachigen Raum insbesondere die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation -, die Bildungswerke der großen Träger der Behindertenhilfe, Fachschulen sowie spezialisierte freie Anbieter. Die Hersteller elektronischer Kommunikationshilfen schulen zusätzlich auf ihre eigenen Geräte; das ist nützlich, ersetzt aber keine methodische Fortbildung.
Woran man ein gutes Angebot erkennt
- Es sagt, für wen es ist. Ein Kurs, der Angehörige, Kita-Fachkräfte und Therapeutinnen gleichzeitig bedienen will, bedient meist keinen davon richtig.
- Es enthält Praxisanteile. Gebärden übt man mit den Händen, Tafeln baut man am Tisch.
- Es benennt Grenzen. Wer sagt, sein Ansatz funktioniere bei allen, hat keinen Ansatz, sondern ein Verkaufsargument.
- Es ist unabhängig vom Gerät. Eine Fortbildung, die nur zu einem Herstellersortiment führt, ist eine Produktschulung.
- Die Kosten stehen vorher fest, inklusive Material und etwaiger Prüfungsgebühren.
Umgekehrt sind Vorsicht angebracht bei Angeboten, die mit spektakulären Durchbrüchen werben, mit Zertifikaten ohne erkennbare fachliche Anerkennung hohe Beträge aufrufen oder Verfahren lehren, deren Wirksamkeit fachlich bestritten ist - dazu gehört insbesondere die Gestützte Kommunikation.
Was aus den Makaton-Seminaren wurde
Bis 2019 hat der Verein MAKATON Deutschland e. V. ein gestuftes Seminarprogramm angeboten: Einführungskurse über vier Stunden, Tagesseminare zu Gebärden und zu Symbolen sowie Aufbauseminare, jeweils gegen einen Unkostenbeitrag im mittleren zweistelligen Bereich. Mit der Liquidation des Vereins ist dieses Programm entfallen.
Wer heute im deutschsprachigen Raum den vergleichbaren Inhalt sucht - Gebärde und Symbol gemeinsam, aufbauend nach Häufigkeit -, findet ihn in den Kursen zu GuK, zu Schau doch meine Hände an und in den Symbolkursen zu METACOM. Die Einordnung, warum das kein methodischer Verlust ist, steht unter Makaton.
Fragen und Antworten
- Brauche ich als Elternteil eine Fortbildung?
- Eine formale nicht. Was Sie brauchen, ist ein Gebärden- oder Symbolgrundwortschatz und jemanden, der Ihnen die Anwendung im Alltag zeigt. Ein Wochenendkurs oder mehrere Termine in einer Beratungsstelle leisten das. Zertifikate helfen Ihnen im Alltag nicht weiter.
- Gibt es noch Makaton-Kurse in Deutschland?
- Uns ist kein Anbieter bekannt. Der Verein MAKATON Deutschland e. V., der die Basis- und Aufbauseminare durchgeführt hat, befindet sich seit dem 6. April 2019 in Liquidation. Die Makaton Charity in Großbritannien schult weiterhin, allerdings englischsprachig und auf das englische Vokabular bezogen.
- Lohnt sich eine Online-Fortbildung?
- Für Wissen ja, für Handwerk nur bedingt. Theorie, Systemkunde und Rechtsfragen lassen sich gut online vermitteln. Gebärden zu lernen und Modelling zu üben funktioniert in Präsenz deutlich besser, weil dabei jemand auf Ihre Hände und Ihr Sprechtempo schaut.
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Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.