Nichtelektronische Kommunikationshilfen
Karten, Tafeln, Ordner und Bücher aus Papier - robust, günstig, jederzeit einsetzbar und oft unterschätzt.
Nichtelektronische Hilfen sind der unspektakuläre Teil der Unterstützten Kommunikation - und derjenige, der am zuverlässigsten funktioniert. Sie bestehen aus laminiertem Papier, Ringbuchmechanik und Klettband. Sie fallen nicht aus, sind in einer Stunde nachgebaut und kosten wenig.
Die Formen
Einzelne Bildkarten. Der Einstieg. Ein Symbol pro Karte, laminiert, oft mit Klettpunkt. Eignen sich für Auswahlsituationen: zwei Karten hinhalten, die Person wählt. Auch die Grundlage von PECS, wo die Karte übergeben statt gezeigt wird.
Kommunikationstafeln. Ein festes Raster aus Feldern, das in einem Blick überschaubar ist. Die zentrale Form für alltägliche Verständigung, ausführlich beschrieben unter Kommunikationstafeln.
Themenspezifische Auswahlsets. Kleine Tafeln für eine bestimmte Situation - Frühstückstisch, Badezimmer, Spielplatz, Arztbesuch. Sie hängen dort, wo die Situation stattfindet, und enthalten genau die Wörter, die dort gebraucht werden.
Kommunikationsordner. Mehrere Tafeln in einem Ringbuch, thematisch oder nach Wortart geordnet. Deutlich mehr Wortschatz, dafür langsamer, weil geblättert werden muss.
Ich-Bücher. Ein persönliches Heft über die eigene Person - wer ich bin, wer zu mir gehört, was ich mag, was ich brauche. Weniger ein Kommunikationsmittel als ein Gesprächseröffner für Fremde.
Tagespläne und Ablaufpläne. Symbolreihen, die zeigen, was als Nächstes passiert. Sie kommunizieren nicht in Richtung der Person hinaus, sondern hinein - und nehmen damit oft mehr Druck aus dem Alltag als jedes Ausdrucksmittel. Mehr dazu unter Visualisierung im Alltag.
Was in der Praxis über Erfolg entscheidet
Erreichbarkeit. Eine Tafel, die im Regal steht, wird nicht benutzt. Die Faustregel lautet: In jedem Raum, in dem kommuniziert wird, muss Material in Griffweite hängen. Mehrere Kopien sind billiger als eine verpasste Gelegenheit.
Immer dieselbe Anordnung. Wenn „mehr“ auf der Küchentafel oben links steht, steht es auch auf der Badtafel oben links. Der Griff wird dadurch automatisch, und Automatik ist der Unterschied zwischen Suchen und Sprechen.
Robustheit. Laminieren, abgerundete Ecken, Ringbuch statt Klebebindung. Material, das nach zwei Wochen zerfällt, verschwindet.
Der Wortschatz. Der häufigste Fehler ist eine Tafel voller Gegenstände. Ohne Wörter wie mehr, nochmal, fertig, nicht, weg, ich, du, machen, gehen bleibt die Person beim Benennen stehen. Diese Gruppe heißt Kernvokabular und gehört auf jede Tafel.
Der Vergleich zu elektronischen Hilfen
| Papier | Elektronisch | |
|---|---|---|
| Anschaffung | gering | mittel bis hoch, meist über die Krankenkasse |
| Ausfallrisiko | praktisch keins | Akku, Defekt, Software |
| Wortschatz | begrenzt durch die Fläche | sehr groß, mehrere Ebenen |
| Sprachausgabe | keine, das Gegenüber muss hinsehen | ja, auch über Distanz und ohne Blickkontakt |
| Tempo | sehr schnell bei wenigen Wörtern | langsamer beim Einstieg, schneller bei viel Wortschatz |
| Änderungen | neu drucken | direkt am Gerät |
Die Konsequenz aus dieser Tabelle ist keine Entscheidung, sondern eine Kombination. Wer einen Talker nutzt, sollte trotzdem eine Papiertafel mit denselben Kernwörtern und derselben Anordnung dabeihaben. Das ist die Rückfallebene, die verhindert, dass ein leerer Akku eine Person verstummen lässt.
Fragen und Antworten
- Sind Papierhilfen nicht überholt, wenn es Talker gibt?
- Nein. Fast jede Person, die einen Talker nutzt, hat parallel Papiermaterial im Einsatz - im Schwimmbad, beim Aufladen, im Bett, bei einem Defekt. Papier ist außerdem schneller: Die wichtigsten zwanzig Wörter auf einer Karte am Schlüsselband sind in einer Sekunde erreichbar.
- Wie viele Felder soll eine Tafel haben?
- So viele, wie die Person zielsicher treffen kann - lieber zwölf große Felder, die funktionieren, als vierzig kleine, bei denen daneben gegriffen wird. Die Feldzahl wächst mit der Zielsicherheit, nicht mit dem Alter.
- Was, wenn ein Kind die Karten nur durcheinanderwirft?
- Das ist ein normales Zwischenstadium und meist ein Zeichen dafür, dass die Karten noch keine Bedeutung haben. Der Weg dahin führt über Modelling - die Bezugspersonen benutzen die Karten wochenlang selbst, ohne etwas zu verlangen. Bei sehr starkem Materialdrang hilft eine fest angebrachte Tafel statt loser Karten.
Weiterlesen
- Kommunikationstafeln
Feldzahl, Anordnung, Wortauswahl - was eine Tafel brauchbar macht und woran die meisten scheitern.
- Ich-Buch
Ein persönliches Heft über die eigene Person - der beste Gesprächseinstieg für alle, die neu dazukommen.
- Kernvokabular
Wenige Wörter machen den Großteil aller Äußerungen aus - warum das für Tafeln und Talker alles verändert.
Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.