Symbole

Das Ich-Buch

Ein persönliches Heft über die eigene Person - der beste Gesprächseinstieg für alle, die neu dazukommen.

Das Ich-Buch ist die Form der Unterstützten Kommunikation, die am wenigsten mit Wortschatz zu tun hat und am meisten mit Beziehung. Es ist kein Werkzeug zum Formulieren von Sätzen, sondern eine Antwort auf eine Frage, die Fremde nicht stellen können: Wer bist du eigentlich?

Warum es so viel bewirkt

Menschen, die nicht sprechen können, erzählen ihre Geschichte nicht selbst. Wenn eine neue Betreuungskraft anfängt, eine neue Klasse beginnt oder ein Klinikaufenthalt ansteht, kommt die Person ohne Vorgeschichte an. Was sie mag, was sie ängstigt, wie sie „nein“ signalisiert, welche Witze sie versteht - all das müsste mühsam neu herausgefunden werden.

Ein Ich-Buch überbrückt das in zehn Minuten. Und es kehrt die Rolle um: Die Person hat etwas zu erzählen und gibt es aus der Hand, statt Gegenstand von Übergabegesprächen zu sein.

Was hineingehört

Wer ich bin. Name, Rufname, Alter, ein aktuelles Foto. Wo ich wohne, mit wem.

Wer zu mir gehört. Familie, Freunde, wichtige Bezugspersonen - jeweils mit Foto und einem Satz, wer das ist.

Was ich mag. Konkret statt allgemein. Nicht „Musik“, sondern welche. Nicht „draußen sein“, sondern welcher Ort. Diese Seite liefert Gesprächsstoff und wird am häufigsten gebraucht.

Was ich nicht mag. Genauso wichtig und oft ausgelassen. Geräusche, Berührungen an bestimmten Stellen, bestimmte Abläufe, Essen. Wer das vorher weiß, vermeidet Konflikte, die sonst als Verhalten gedeutet werden.

Wie ich kommuniziere. Der praktisch wertvollste Teil. Welche Signale nutze ich für ja und nein? Welche eigenen Zeichen habe ich? Was bedeutet es, wenn ich mich wegdrehe? Welche Hilfsmittel benutze ich und wo sind sie? Wie lange soll man auf eine Antwort warten?

Was ich brauche. Alltagsroutinen, die wichtig sind. Was mich beruhigt, wenn es schwierig wird. Was in einer Notsituation zu tun ist.

Meine Geschichte. Ein paar Ereignisse, die zu mir gehören - Urlaube, Umzüge, Erfolge. Das macht aus einem Datenblatt eine Person.

Aufbau und Machart

  • Ich-Form. „Ich mag Wasser“ statt „Er mag Wasser“. Der Unterschied ist nicht kosmetisch - er entscheidet darüber, wessen Buch es ist.
  • Ein Thema pro Seite. Große Schrift, ein Foto, wenige Sätze. Wer die Regeln der Leichten Sprache anwendet, liegt richtig.
  • Fotos statt Symbole, wo es um Personen, Orte und eigene Gegenstände geht. Symbole nur für Begriffe.
  • Ringbuch oder Klarsichthüllen. Das Buch muss sich ändern lassen, ohne neu gebaut zu werden.
  • Robust. Es geht mit in die Klinik, in die Werkstatt, ins Ferienlager.
  • Eine Kurzfassung. Ein einzelnes laminiertes Blatt mit den wichtigsten Kommunikationssignalen - für Situationen, in denen niemand Zeit hat, ein Buch zu lesen. Diese Seite ist im Krankenhaus oft die wichtigste im ganzen System.

Ein Hinweis zum Datenschutz

Ein Ich-Buch enthält sehr persönliche Angaben. Es gehört der Person, nicht der Einrichtung. Wer es erstellt, sollte klären, wer es lesen darf, wo es aufbewahrt wird und was bei einem Wechsel damit passiert. Gesundheitsangaben gehören nur hinein, soweit sie für den Umgang tatsächlich gebraucht werden.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ab welchem Alter lohnt sich ein Ich-Buch?
Sobald ein Mensch regelmäßig auf Personen trifft, die ihn nicht kennen - also spätestens mit dem Eintritt in Kita oder Schule. Für Erwachsene in Wohngruppen und Werkstätten ist es mindestens genauso wertvoll, weil dort der Personalwechsel hoch ist.
Wer schreibt das Ich-Buch?
Idealerweise die Person selbst, soweit sie kann, gemeinsam mit ihren nächsten Bezugspersonen. Wo das nicht möglich ist, schreiben Angehörige - dann aber in der Ich-Form und so, wie die Person es sagen würde, nicht als Bericht über sie.
Wie ausführlich soll es sein?
Kurz genug, dass eine neue Bezugsperson es in zehn Minuten liest. Zwölf bis zwanzig Seiten reichen. Ein Buch, das niemand liest, weil es zu umfangreich ist, hilft nicht.

Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.