Unterstützte Kommunikation

Modelling - selbst benutzen, statt abzufragen

Die wichtigste Technik der Unterstützten Kommunikation - und die am häufigsten übersprungene.

Wenn eine Kommunikationstafel oder ein Talker nach Monaten unbenutzt in der Ecke liegt, liegt das selten am Gerät. Es liegt fast immer daran, dass niemand es vorgemacht hat.

Modelling ist die Technik, die diese Lücke schließt. Sie ist schnell erklärt und schwer durchzuhalten: Die Bezugspersonen benutzen das Kommunikationssystem selbst, während sie sprechen - ohne dass die unterstützt kommunizierende Person etwas tun muss.

Warum das notwendig ist

Sprechende Kinder lernen Sprache, indem sie umgeben von Sprache aufwachsen. Sie hören Zehntausende Äußerungen, bevor sie selbst eine produzieren. Niemand käme auf die Idee, einem Einjährigen ein Wort beizubringen, indem man es abfragt.

Bei Unterstützter Kommunikation passiert genau das trotzdem ständig. Das Kind bekommt eine Tafel und soll darauf zeigen. Es hat aber nie erlebt, wie jemand mit dieser Tafel etwas sagt. Es kennt ihre Sprache nicht - und wir verlangen die Produktion vor dem Input.

Der zweite Grund ist Menge. Ein sprechendes Kind hört Sprache den ganzen Tag. Ein Kind mit Kommunikationstafel sieht sie vielleicht zehnmal am Tag benutzt, wenn es gut läuft. Die Lücke ist gewaltig, und sie wird nur durch bewusstes, häufiges Modellieren kleiner.

Wie es praktisch aussieht

Sie sprechen einen ganz normalen Satz. Beim wichtigsten Wort zeigen Sie parallel auf das Symbol, tippen es auf dem Talker oder gebärden es.

  • „Willst du noch mehr?“ - dabei auf mehr zeigen.
  • „Wir gehen jetzt raus.“ - dabei auf raus zeigen.
  • „Das ist fertig.“ - dabei auf fertig zeigen.
  • „Ich mag das nicht.“ - zwei Symbole, mehr nicht.

Vier Regeln machen den Unterschied:

  1. Keine Aufforderung. Sie fragen nicht „Wo ist mehr?“ und warten nicht auf eine Reaktion. Sie zeigen es und machen weiter.
  2. Kein Abfragen. „Zeig mir mal das Symbol für Ball“ ist Testen, nicht Kommunizieren. Es erzeugt Druck und liefert keinen Input.
  3. Pausen lassen. Nach Ihrer Äußerung fünf bis zehn Sekunden warten. Diese Pause fühlt sich endlos an und ist genau das, was viele Menschen brauchen, um zu reagieren.
  4. Jede Reaktion annehmen. Ein Blick, ein Laut, ein ungenauer Griff - alles zählt. Sie antworten darauf, statt zu korrigieren.

Was Modelling zunichtemacht

Das System ist nicht griffbereit. Wer erst die Mappe holen muss, modelliert nicht. Material gehört in jeden Raum, in dem gesprochen wird.

Die Erwachsenen kennen die Anordnung nicht. Wenn Sie beim Zeigen suchen müssen, bricht die Situation ab. Lernen Sie zwanzig Wörter blind, bevor Sie anfangen.

Nur eine Person macht mit. Kommunikation, die nur mit einem Menschen funktioniert, ist keine. Alle täglichen Bezugspersonen sollten wenigstens die Kernwörter benutzen - auch Geschwister, Großeltern und Vertretungskräfte.

Es wird zu früh aufgegeben. Die häufigste Aussage nach sechs Wochen lautet, es bringe nichts. Sechs Wochen entsprechen bei einem sprechenden Kind nicht einmal dem Zeitraum zwischen zwei Meilensteinen.

Die eine Frage, die weiterhilft

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Modelling reicht, stellen Sie sich diese Frage: Wie oft habe ich heute selbst das System benutzt, ohne etwas dafür zu verlangen?

Liegt die Antwort unter zehn, ist das der Ansatzpunkt - nicht ein anderes Gerät, nicht ein anderes Symbolsystem, nicht mehr Therapiestunden.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie lange muss ich modellieren, bevor etwas passiert?
Rechnen Sie in Monaten, nicht in Wochen. Ein sprechendes Kind hört ein Wort mehrere hundert bis tausend Mal, bevor es das Wort selbst sagt. Für Symbole und Gebärden gilt nichts anderes, und die meisten UK-Nutzenden bekommen weit weniger Input als ein sprechendes Kind.
Muss ich jedes Wort modellieren?
Nein, und das wäre auch nicht möglich. Modellieren Sie das Schlüsselwort des Satzes - meist ein bis zwei Wörter. Alles andere sprechen Sie ganz normal. Ein Satz aus fünf gezeigten Symbolen überfordert Sie und die Person.
Was, wenn ich das System selbst kaum bedienen kann?
Dann ist das der erste Schritt, nicht ein Nebenaspekt. Nehmen Sie sich das Gerät oder die Tafel und suchen Sie zwanzig Wörter, bis Sie sie blind finden. Wer beim Modellieren dreißig Sekunden sucht, bricht jede Gesprächssituation ab - und die Person lernt, dass das System nicht funktioniert.

Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.