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Symbole und Piktogramme

Bildzeichen für Wörter: wie sie aufgebaut sind, welche Sammlungen taugen und wie man daraus Tafeln, Ordner und Tagespläne baut.

Ein Symbol ist ein Bild, das für ein Wort steht. Das klingt banal, ist aber der Grund, warum Symbolsysteme funktionieren: Sie machen Sprache sichtbar und dauerhaft. Ein gesprochenes Wort ist weg, sobald es gesagt ist. Ein Symbol liegt auf dem Tisch und kann angesehen, angetippt und wieder angesehen werden.

Für Menschen, die Sprache verstehen, aber nicht produzieren können, ist das oft der entscheidende Zugang. Sie brauchen kein neues motorisches Programm, sondern nur einen Finger und eine Fläche.

Wie Symbole aufgebaut sind

Gute Kommunikationssymbole folgen einem gemeinsamen Prinzip: so bildhaft wie möglich, so einfach wie nötig.

  • Konkrete Wörter lassen sich abbilden. „Haus“, „Auto“, „Apfel“ sind Zeichnungen des Gegenstands.
  • Tätigkeiten zeigen die Bewegung oder die Situation. „Trinken“ ist die Hand mit dem Becher am Mund, „laufen“ die Figur in Schrittstellung.
  • Eigenschaften und Beziehungen brauchen einen Trick. „Groß“ und „klein“ werden im Vergleich gezeigt, „auf“ und „unter“ über die Anordnung zweier Objekte.
  • Abstrakte Wörter lassen sich nicht abbilden und werden festgelegt. „Aber“, „vielleicht“ oder „mögen“ bekommen ein vereinbartes Zeichen, das man lernen muss - so wie ein Schriftzeichen.

Innerhalb einer Sammlung folgen diese Entscheidungen einer durchgängigen Logik. Genau darin liegt der Wert einer geschlossenen Sammlung gegenüber zusammengesuchten Cliparts: Wer die Systematik einmal verstanden hat, kann neue Symbole erschließen, ohne sie einzeln zu lernen.

Die Sammlungen im Vergleich

Sammlung Herkunft Lizenz Verbreitung im deutschsprachigen Raum
METACOM Annette Kitzinger, Deutschland kostenpflichtig, Einzellizenz sehr hoch, faktischer Standard in Schule und Therapie
ARASAAC Regierung von Aragonien, Spanien Creative Commons BY-SA-NC wachsend, größter frei nutzbarer Bestand
PCS Tobii Dynavox, USA kostenpflichtig, meist mit Software verbreitet über Talker-Software
Bliss Charles Bliss über Blissymbolics Communication International selten, für sehr differenzierte Nutzung

Für die meisten Familien und Einrichtungen läuft die Entscheidung auf METACOM oder ARASAAC hinaus. METACOM ist gestalterisch außergewöhnlich konsistent und im deutschen Sprachraum überall anzutreffen - was den praktischen Vorteil hat, dass Kindergarten, Schule und Therapiepraxis dieselben Bilder benutzen. ARASAAC kostet nichts und darf unter Namensnennung weitergegeben werden, was für Material gilt, das in Umlauf gehen soll.

Woraus Symbole gemacht werden

Die Sammlung ist der Rohstoff, nicht das Produkt. In der Praxis entstehen daraus:

  • Kommunikationstafeln - eine feste Anordnung von Feldern, die laminiert am Tisch, an der Wand oder im Rucksack hängt
  • Ich-Bücher - ein persönliches Heft über die eigene Person, das Fremden einen Gesprächseinstieg gibt
  • Tagespläne und Ablaufpläne - Symbolreihen, die zeigen, was als Nächstes kommt
  • Auswahltafeln - kleine Sets für eine bestimmte Situation: Frühstück, Baden, Spielplatz
  • Talker-Oberflächen - dieselben Symbole auf einem Gerät, das dazu spricht

Wie man das legal beschafft oder selbst erstellt, steht unter Materialien und Vorlagen.

Der häufigste Fehler beim Tafelbau

Tafeln werden fast immer mit Nomen gefüllt: Essen, Trinken, Ball, Auto, Buch, Bagger. Das ist naheliegend, weil Nomen sich gut zeichnen lassen. Es führt aber dazu, dass die Person nur benennen kann - und nicht auffordern, ablehnen, kommentieren oder um etwas bitten.

Wörter wie mehr, nochmal, fertig, weg, nicht, ich, du, gehen, machen, mögen sind auf keinem Bild gut darstellbar und fehlen deshalb oft. Sie sind aber die Wörter, mit denen Sprache tatsächlich funktioniert. Diese Gruppe heißt Kernvokabular und sollte auf jeder Tafel den festen Platz bekommen - immer an derselben Stelle, damit der Griff dorthin automatisch wird.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Warum nicht einfach Fotos benutzen?
Fotos sind für den Einstieg oft gut, weil sie unmittelbar erkennbar sind. Sie haben aber eine Grenze: Ein Foto der eigenen roten Tasse steht für genau diese Tasse, nicht für das Wort „Tasse“. Symbole abstrahieren und lassen sich deshalb auf neue Situationen übertragen. Viele Systeme kombinieren beides - Fotos für Personen und Orte, Symbole für Begriffe und Tätigkeiten.
Kann ich Symbole aus dem Internet einfach verwenden?
Nur, wenn die Lizenz es erlaubt. METACOM und PCS sind kostenpflichtig und dürfen nicht frei weitergegeben werden. ARASAAC steht unter einer Creative-Commons-Lizenz und ist bei Namensnennung auch kommerziell nutzbar. Wer Material für eine Einrichtung erstellt, sollte das vorher klären.
Wie viele Symbole braucht eine Kommunikationstafel?
Für den Einstieg reichen zwischen zwölf und dreißig Felder, sofern sie die richtigen Wörter enthalten. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern der Anteil an Kernvokabular - also an Wörtern wie „mehr“, „nochmal“, „nicht“, „gehen“, die in jeder Situation funktionieren.

Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.