Unterstützte Kommunikation

Körpereigene Kommunikationsformen

Alles, was ohne Material funktioniert - Gebärden, Zeigen, Blick, Mimik und Laute. Immer dabei, kostenlos, sofort einsetzbar.

Körpereigene Formen sind alles, was ein Mensch ohne Material an Signalen erzeugen kann. Sie sind die erste Gruppe der Unterstützten Kommunikation, weil sie zwei unschlagbare Eigenschaften haben: Sie sind immer da, und sie kosten nichts.

Was dazugehört

  • Gebärden - konventionalisierte Handzeichen, meist aus der Deutschen Gebärdensprache. Der ausgebaute Bereich dazu steht unter Gebärden.
  • Zeigen - mit dem Finger, der Hand, dem Fuß, dem Kinn oder dem Kopf. Zeigen ist die Brücke zwischen Körper und Umwelt und Voraussetzung für jede Tafelnutzung.
  • Blickbewegung - hinsehen, weggucken, zwischen zwei Objekten hin- und herblicken. Für Menschen mit stark eingeschränkter Motorik oft der einzige verlässliche Kanal.
  • Mimik - Freude, Ablehnung, Anstrengung, Schmerz. Wird häufig übersehen, weil sie nicht als Kommunikation gezählt wird.
  • Körperhaltung und Bewegung - sich hinwenden, wegdrehen, anspannen, zum Gegenstand hinbewegen.
  • Laute - Vokalisationen ohne Wortcharakter, die trotzdem klar unterschiedliche Bedeutungen tragen können.
  • Berührung - jemanden anfassen, die Hand einer Person zu einem Gegenstand führen.

Die Stärke und die Grenze

Die Stärke liegt in der Verfügbarkeit. Kein Akku, kein Rucksack, keine Wartung. Wer eine Gebärde kann, kann sie auch im Schwimmbad, im Dunkeln und wenn das Tablet gerade aus ist.

Die Grenze ist die Reichweite des Verständnisses. Eine familieneigene Handbewegung für „ich will raus“ funktioniert zu Hause perfekt und beim Kinderarzt gar nicht. Je individueller ein Signal, desto kleiner der Kreis, der es deutet.

Daraus folgt die praktische Regel: Individuelle Signale erhalten, konventionelle Signale ergänzen. Wer die eigenen Zeichen eines Menschen abschafft, weil sie nicht dem Lehrbuch entsprechen, nimmt ihm funktionierende Kommunikation weg. Wer sie belässt und daneben allgemein verständliche Formen aufbaut, erweitert den Kreis der Menschen, mit denen Verständigung möglich ist.

Signale erkennen und festhalten

Bei Menschen mit sehr eingeschränkter Bewegungsfähigkeit besteht die eigentliche Arbeit oft darin, vorhandene Signale überhaupt zu bemerken. Ein leichtes Anspannen, eine Kopfdrehung um wenige Grad, eine Veränderung der Atmung - was für Außenstehende Zufall ist, kann für die Bezugsperson eine klare Aussage sein.

Ein bewährtes Vorgehen:

  1. Über zwei Wochen notieren, welche Reaktion in welcher Situation auftritt.
  2. Prüfen, ob dieselbe Reaktion mehrfach in derselben Bedeutung vorkommt.
  3. Wenn ja: die Reaktion als Signal behandeln und konsequent darauf reagieren.
  4. Das Signal mit Foto und Bedeutung dokumentieren und im gesamten Umfeld bekannt machen.

Punkt drei ist der entscheidende: Ein Signal wird erst dadurch zu Kommunikation, dass die Umgebung verlässlich darauf antwortet. Wer manchmal reagiert und manchmal nicht, bringt der Person bei, dass Signale nichts bewirken.

Wie es weitergeht

Körpereigene Formen tragen weit, aber nicht beliebig weit. Sobald es um Wörter geht, die man nicht zeigen kann - gestern, vielleicht, traurig, der Name eines Freundes -, braucht es Symbole. Der Übergang ist fließend und kein Wechsel: Was funktioniert, bleibt.

Weiter geht es unter nichtelektronische Hilfen und elektronische Hilfen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Zählen eigene, selbst erfundene Zeichen auch dazu?
Ja, und sie sind oft der Anfang von allem. Viele Familien haben längst Zeichen entwickelt, ohne sie so zu nennen - eine bestimmte Bewegung für „raus“, ein Laut für „nochmal“. Diese individuellen Signale sollte man aufschreiben und im Umfeld bekannt machen, statt sie durch offizielle Gebärden zu ersetzen.
Was ist ein Ja-Nein-Signal?
Ein verabredetes körpereigenes Zeichen für Zustimmung und Ablehnung - Kopfnicken, Blick nach oben, Handheben, Augenschluss. Es ist häufig das Erste, was etabliert wird, weil es mit geschickter Fragestellung sehr weit trägt. Wichtig ist, dass beide Signale klar unterscheidbar sind und nicht versehentlich ausgelöst werden können.
Wie merkt man sich individuelle Signale im Team?
Schriftlich. Eine Übersicht mit dem Signal, seiner Bedeutung und einem Foto gehört in die Dokumentation und an einen Ort, an dem auch Vertretungskräfte sie finden. Ohne diese Liste geht Kommunikationsgeschichte bei jedem Personalwechsel verloren.

Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.