Kommunikationstafeln
Feldzahl, Anordnung, Wortauswahl - was eine Tafel brauchbar macht und woran die meisten scheitern.
Die Kommunikationstafel ist das Arbeitstier der Unterstützten Kommunikation. Ein Blatt, ein Raster, Symbole - fertig. Genau diese Einfachheit führt dazu, dass Tafeln häufig schlecht gebaut werden und dann liegen bleiben.
Drei Entscheidungen bestimmen, ob eine Tafel funktioniert.
Erstens: die Feldzahl
Sie richtet sich nach einer einzigen Größe - wie genau die Person zeigen kann. Nicht nach dem Alter, nicht nach der vermuteten kognitiven Leistungsfähigkeit, nicht danach, wie viele Wörter man gerne unterbringen würde.
Praktisch bewährt hat sich, mit wenigen großen Feldern zu beginnen und die Zahl zu erhöhen, sobald die Treffsicherheit stabil ist. Wer bei acht Feldern zuverlässig trifft, kann auf zwölf gehen. Wer bei zwanzig ständig danebengreift, braucht größere Felder, nicht mehr Übung.
Bei sehr eingeschränkter Motorik lohnt der Blick auf Alternativen zum Zeigen: größere Abstände zwischen den Feldern, Auswahl über Blickrichtung oder über eine elektronische Hilfe mit Abtastverfahren.
Zweitens: die Anordnung
Hier wird der häufigste Fehler gemacht - und er ist schwer zu reparieren.
Die Position eines Wortes darf sich nicht ändern. Wenn „mehr“ auf der Küchentafel oben links steht, steht es auf der Badtafel, auf der Spielplatzkarte und auf dem Talker ebenfalls oben links. Der Grund ist motorisches Lernen: Nach einigen Wochen greift die Hand die Position an, bevor das Auge das Symbol gelesen hat. Dieser Automatismus ist der Unterschied zwischen Suchen und Sprechen.
Umgekehrt bedeutet das: Jedes Umsortieren einer bestehenden Tafel wirft die Person zurück. Erweitern Sie am Rand oder auf zusätzlichen Seiten, statt bestehende Felder zu verschieben.
Eine Farbcodierung nach Wortart unterstützt dieses Ansteuern zusätzlich. Gebräuchlich ist eine durchgängige Zuordnung, etwa Tätigkeiten in einer Farbe, Personen in einer zweiten, Eigenschaften in einer dritten. Welches Farbschema Sie wählen, ist zweitrangig - dass es überall gleich ist, entscheidend.
Drittens: die Wortauswahl
Die meisten selbst gebauten Tafeln bestehen aus Gegenständen: Ball, Auto, Buch, Apfel, Bagger, Puppe. Das liegt daran, dass Nomen sich gut zeichnen lassen - und es führt dazu, dass die Person nur benennen kann.
Was fehlt, sind die Wörter, mit denen Sprache tatsächlich arbeitet:
mehr · nochmal · fertig · nicht · weg · ich · du · das · machen · gehen · mögen · helfen · groß · kaputt
Diese Gruppe heißt Kernvokabular. Sie macht in jeder Sprache den weitaus größten Teil der tatsächlich geäußerten Wörter aus, ist aber schlecht abbildbar und wird deshalb regelmäßig vergessen.
Die Faustregel: Kernvokabular bekommt den festen, immer gleichen Bereich der Tafel - meist links oder unten. Die situationsabhängigen Nomen kommen in den verbleibenden Bereich und dürfen wechseln.
Aufbau in der Praxis
- Format. A4 oder A3 für feste Plätze, Postkartengröße für unterwegs, Schlüsselband-Karte für die wichtigsten acht Wörter.
- Material. Laminieren, Ecken abrunden. Unlaminiertes Papier überlebt keine zwei Wochen.
- Mehrfach drucken. Eine Tafel pro Raum, in dem kommuniziert wird. Erreichbarkeit schlägt Perfektion.
- Beschriftung. Das Schriftwort gehört unter jedes Symbol - für Vertretungskräfte, Großeltern und für das spätere Lesenlernen.
- Namen und Fotos. Personen und Orte als Foto, Begriffe und Tätigkeiten als Symbol.
Warum Tafeln liegen bleiben
Fast immer aus einem dieser vier Gründe:
- Sie ist nicht erreichbar, wenn sie gebraucht wird.
- Sie enthält die falschen Wörter - nur Nomen, kein Kernvokabular.
- Niemand benutzt sie vor. Ohne Modelling bleibt sie ein Blatt Papier.
- Sie wird zum Abfragen benutzt. Wer damit testet statt spricht, macht die Tafel zur Prüfungssituation.
Bevor Sie eine Tafel als gescheitert einstufen, prüfen Sie diese vier Punkte. In den allermeisten Fällen liegt es an einem davon - nicht am Symbolsystem und nicht an der Person.
Fragen und Antworten
- Wie viele Felder sind richtig?
- So viele, wie die Person zielsicher trifft. Zwölf große Felder, die zuverlässig funktionieren, sind mehr wert als vierzig kleine mit Fehlgriffen. Die Feldzahl wächst mit der motorischen Zielsicherheit, nicht mit dem Lebensalter.
- Soll ich Farben zur Sortierung verwenden?
- Ja, das hat sich bewährt. Eine durchgängige Farbcodierung nach Wortart hilft beim schnellen Finden, weil die Hand die Region ansteuert, bevor das Auge das einzelne Symbol gelesen hat. Wichtig ist nur, dass dieselbe Farbe auf allen Tafeln dieselbe Bedeutung hat.
- Muss ich die Tafel regelmäßig umbauen?
- Möglichst nicht. Motorisches Lernen macht die Bedienung schnell, und jede Umsortierung setzt diesen Vorteil zurück. Erweitern Sie am Rand oder auf zusätzlichen Seiten, statt bestehende Felder zu verschieben.
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Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.