Die fünf häufigsten Fehler
Wenn ein System nicht funktioniert, liegt es fast immer an einer dieser fünf Stellen - nicht an der Person.
Wenn eine Kommunikationstafel oder ein Talker nicht benutzt wird, lautet der erste Reflex meistens, das System passe nicht. Dann wird gewechselt - anderes Symbolsystem, anderes Gerät, andere Methode - und nach einigen Monaten steht man wieder am selben Punkt.
In der ganz überwiegenden Zahl der Fälle liegt es an einer dieser fünf Stellen. Keine davon erfordert neues Material.
1. Das System ist nicht da, wenn es gebraucht wird
Die Tafel liegt im Regal, die Mappe im Rucksack, der Talker lädt in der Küche. Wenn zwischen dem Bedürfnis und dem Werkzeug mehr als ein Handgriff liegt, findet Kommunikation ohne das Werkzeug statt - und zwar so, wie sie vorher stattfand.
Was hilft: Material in jedem Raum, in dem gesprochen wird. Mehrfach drucken, mehrfach laminieren. Eine Kleinversion mit acht Wörtern am Schlüsselband für unterwegs. Kopien kosten Cent-Beträge, verpasste Gelegenheiten kosten Entwicklung.
2. Zu viele Gegenstände, zu wenig Kernvokabular
Selbst gebaute Tafeln bestehen aus dem, was das Kind mag: Ball, Bagger, Schokolade, Hund. Das Ergebnis ist eine Tafel zum Benennen. Was fehlt, sind die Wörter, die Sprache tragen:
mehr · nochmal · fertig · nicht · weg · ich · du · machen · gehen · helfen · mögen
Diese Gruppe heißt Kernvokabular. Sie lässt sich schlecht zeichnen und wird deshalb regelmäßig vergessen - obwohl sie in jeder Sprache den weitaus größten Teil aller Äußerungen ausmacht.
Was hilft: Kernvokabular bekommt den festen, immer gleichen Bereich der Tafel. Gegenstände kommen in den wechselnden Bereich und dürfen getauscht werden.
3. Niemand macht es vor
Der häufigste und folgenreichste Punkt. Das Kind bekommt ein System und soll es benutzen - hat aber nie erlebt, wie jemand damit spricht.
Sprechende Kinder hören Zehntausende Äußerungen, bevor sie selbst eine produzieren. Bei Symbolen und Gebärden gilt dasselbe Prinzip, nur ist der Input dramatisch kleiner: vielleicht zehnmal am Tag, wenn es gut läuft.
Was hilft: Modelling. Die Bezugspersonen benutzen das System selbst, während sie sprechen, ohne eine Reaktion zu verlangen. Über Wochen, viele Male am Tag. Wenn Sie die Zahl Ihrer täglichen Modellings nicht ungefähr nennen können, ist das der Ansatzpunkt.
4. Es wird zum Abfragen benutzt
„Wo ist das Symbol für Ball?“ - „Zeig mir mal fertig.“ - „Was ist das hier?“
Das sind Tests, keine Gespräche. Sie erzeugen Druck, liefern keinen Input und machen die Tafel zur Prüfungssituation. Kinder, die genug davon hatten, meiden das Material.
Was hilft: Nichts abfragen. Stattdessen Gelegenheiten schaffen, in denen die Person von sich aus etwas sagen möchte - kleine Portionen geben, damit „mehr“ gebraucht wird, das Lieblingsspielzeug sichtbar aber unerreichbar platzieren, eine Pause im Ablauf lassen. Und dann warten. Fünf bis zehn Sekunden fühlen sich lang an und sind oft genau das, was gebraucht wird.
5. Es wird zu früh aufgegeben
Nach sechs bis acht Wochen kommt in vielen Familien der Satz, es bringe nichts. Gemessen am Spracherwerb ist dieser Zeitraum nicht kurz, sondern verschwindend.
Was hilft: Vor jeder Grundsatzentscheidung die vier Punkte oben prüfen. Und aufschreiben - einmal pro Woche eine Zeile, was beobachtet wurde. Fortschritte in diesem Feld sind so langsam, dass man sie ohne Aufzeichnung schlicht nicht bemerkt. Wer nach vier Monaten die ersten Notizen wiederliest, sieht meist mehr, als er erinnert.
Die Reihenfolge beim Nachbessern
Wenn ein System nicht läuft, gehen Sie diese Reihenfolge durch, bevor Sie etwas Neues anschaffen:
- Ist das Material erreichbar, überall, sofort?
- Enthält es die richtigen Wörter?
- Wie oft modelliere ich - ehrlich geschätzt?
- Frage ich ab, ohne es zu merken?
- Wie lange läuft es wirklich schon?
Erst wenn diese fünf Punkte in Ordnung sind und über Monate nichts passiert, lohnt das Gespräch über eine andere Form. Eine Beratungsstelle sieht in einer Stunde, was in der eigenen Situation hakt - meist an einer dieser fünf Stellen.
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Zuletzt überarbeitet am 14. August 2026.